Heute haben sowohl die englische als auch die deutsche Fassung von Grid Runners Kapitel 18 erreicht. Sie wissen schon, das Buch, an dem ich gerade schreibe. Ich hatte schon mal darüber geschrieben.
Normalerweise schreibe ich ein Buch komplett in einer Sprache fertig und kümmere mich erst danach um eine Übersetzung. In der Regel schreibe ich das Original auf Englisch und Übersetze dann ins Deutsche. Über die Schwierigkeiten, vor die mich das unerwarteterweise stellt, habe ich ja schon einmal geblogged.
Bei meiner eBook Reihe Synthdrive hat das dazu geführt, dass ich mich jedes Mal, wenn ich mich an die Übersetzung setze, tierisch über mich selbst ärgere. Synthdrive besteht aktuell aus 5 „Episoden“, jede zwischen 80 und 120 Seiten lang. Entsprechend viel ist zu übersetzen.
Diesmal gehe ich bewusst einen anderen Weg. Jedes Kapitel wird zunächst auf Englisch geschrieben und unmittelbar danach ins Deutsche übertragen – lange bevor der Roman überhaupt abgeschlossen ist.
Das ist irgendwie sogar deutlich mehr Arbeit, hat aber einen großen Vorteil: Beide Fassungen wachsen gemeinsam. Während die englische Version die eigentliche Geschichte erzählt, entwickelt die deutsche Version gleichzeitig ihre eigene Stimme. Manche Formulierungen funktionieren nahezu identisch, andere müssen komplett neu gedacht werden, weil sie im Deutschen schlicht nicht dieselbe Wirkung entfalten würden. Es geht deshalb nicht um eine wortwörtliche Übersetzung, sondern darum, dieselbe Atmosphäre, dieselben Figuren und dieselben Emotionen in einer anderen Sprache neu entstehen zu lassen.
Besonders spannend war das heute bei einem meiner Lieblingscharaktere des Buchs, Moth. Sein lakonischer, texanisch angehauchter Sprachstil lässt sich nicht einfach ins Deutsche übertragen. Initial hatte ich die Idee, ich könne das ja einfach mit irgendeinem „lustigen“ deutschen Dialekt austauschen. Das hat sich aber recht schnell als doch nicht ganz so tolle Idee herausgestellt. Während der Charakter Moth durchaus so ein bisschen die Rolle des comic relief im Buch übernimmt, soll er das nicht auf Slapstick oder cheap comedy Art tun. Zwischen „Der Charakter klingt lustig.“ und „Der Charakter ist lustig.“ gibt es ja dann doch noch Unterschiede.
Stattdessen musste eine neue Stimme entstehen, die dieselbe Persönlichkeit transportiert, ohne wie eine künstliche Kopie des Originals zu wirken. Nach mehreren Kapiteln Feinarbeit an den Eigenheiten des deutschen Moth, habe ich inzwischen das Gefühl, dass er endgültig seinen eigenen Ton gefunden hat. Und er ist gut. Richtig gut. Anders als im englischen Original, was ja kaum zu vermeiden war. Er überzeugt aber dennoch genauso wie sein englisches Original.
Das gesamte Projekt ist dadurch fast so, als würde ich zwei Bücher gleichzeitig schreiben. Die englische Fassung bleibt das Original, aber die deutsche wächst nicht erst Monate später nach – sie entwickelt sich Kapitel für Kapitel parallel mit und profitiert davon, dass jede neue Szene sofort in beiden Sprachen auf ihre Wirkung geprüft wird.
Es ist ein ungewöhnlicher Arbeitsablauf und definitiv zeitintensiver als meine bisherige Vorgehensweise. Gleichzeitig macht es erstaunlich viel Spaß zu beobachten, wie beide Versionen gemeinsam wachsen und sich gegenseitig verbessern. Ich bin sehr gespannt, wie sich dieser Ansatz bis zum Ende des Romans entwickeln wird.
Für all jene, die schon gespannt sind, hier ein kleines Update zum Buch selbst.

Zusammenfassung der heute neu entstandenen 3 Kapitel:
Ryan gerät zunehmend unter Druck. Während unbekannte Akteure beginnen, seine Vergangenheit zu durchleuchten, wird ihm klar, dass er längst nicht mehr nur den Fall untersucht – der Fall untersucht inzwischen auch ihn.
Zeitgleich macht Moth einen entscheidenden Fund: Die rätselhafte Speicherdisk stammt aus einer längst vergessenen Technologiegeneration. Doch um ihre Geheimnisse zu entschlüsseln, muss auf Hardware zurückgegriffen werden, die seit Jahrzehnten als Relikt vergangener Zeiten gilt. Eine Erkenntnis drängt sich auf: Wer diese Daten versteckt hat, tat das nicht nur, um sie zu verschlüsseln, sondern um sie dauerhaft dem Zugriff des Grids zu entziehen.
Während Ryan und Moth immer tiefer graben, verdichtet sich der Verdacht, dass jemand die Entwicklung der Welt bereits vor Jahrzehnten vorausgesehen und entsprechende Vorkehrungen getroffen hat. Was zunächst wie die Aufklärung eines einzelnen Mordes begann, entwickelt sich immer mehr zu einer Jagd nach einer Wahrheit, die nie gefunden werden sollte.
Wenn Grid Runners fertig ist, wird es, wie bereits meine eBook Serie Synthdrive, auf Amazon Kindle/Unlimited zur Verfügung stehen.


Kommentar verfassen