ohnefilter.blog

Gedankenmus, zum Konsum geeignet. Lektüre auf eigenes Risiko. Sie entscheiden selbst.


Grid Runners – ein Blick hinter die Kulissen

Für den heutigen Blogpost schauen wir mal hinter die Kulissen und geben einen Einblick in die Arbeit an meinem neuen Buch „Grid Runners“.

Worum es in „Grid Runners“ geht:

Ein ermordeter Systemingenieur. Unmögliche Zugriffsrechte. Eine verborgene Ebene des Grids, die offiziell gar nicht existieren dürfte.

Was als gewöhnliche Mordermittlung beginnt, führt Detective Ryan Garfield tief unter die makellose Oberfläche von Corianth’s Dream – einer Stadt, in der Perfektion zum Lebensstil geworden ist und Wahrheit sorgfältig kontrolliert wird. Je tiefer Ryan gräbt, desto mehr gerät die Realität selbst ins Wanken. Unerklärliche Anomalien häufen sich, Daten verschwinden spurlos und Spuren werden gelöscht, noch während er ihnen folgt.

Doch jeder neue Hinweis enthüllt nur ein weiteres Geheimnis. Hinter der perfekten Fassade des Grids verbirgt sich etwas, das niemals entdeckt werden sollte. Und während Ryan versucht herauszufinden, wer die Fäden zieht, wird ihm langsam klar, dass er längst nicht mehr der Einzige ist, der nach Antworten sucht.

Denn irgendwo im Verborgenen hat jemand begonnen, seine Blicke zu erwidern.

Als kleinen Vorgeschmack gibt es hier mal Kapitel 1 in voller Länge. Wer mehr über mich als Autor von Synthpunk Dystopien erfahren möchte, kann das gerne hier tun. Meine eBook Reihe „Synthdrive“ mit inzwischen 5 veröffentlichten Teilen gibt es hier.

Und nun viel Spaß mit Kapitel 1 von „Grid Runners“.

KAPITEL 1

New Haven Blues

Der Schmerz weckte ihn, bevor der Wecker es konnte. Ryan Garfield öffnete langsam die Augen. Einen Moment lang starrte er auf die fleckige Decke seines Apartments, während das vertraute Brennen sich durch die kybernetischen Verbindungen in seiner linken Schulter fraß.

Phantomschmerz. So lautete der höfliche medizinische Fachbegriff. Die Realität fühlte sich eher so an, als würde jemand geschmolzenen Stahl direkt in freigelegte Nerven treiben. „Schmerz“ traf es nicht mehr wirklich. Es half auch nicht, dass ihm alle Ärzte und Therapeuten versichert hatten, sein Schmerz könne nicht real sein. Dass dort nichts mehr übrig sei, das tatsächlich schmerzen könnte. Für ihn fühlte er sich so real an, wie es nur ging.

Er setzte sich vorsichtig auf die Bettkante. Das Apartment um ihn herum war still, abgesehen vom entfernten Summen der Belüftungssysteme, die durch die Wände des Metroplex vibrierten. Sektor Zwölf. Mittelklasse-Wohnraum. Kein Luxus, aber auch nicht schlecht. Menschen in den Metroplexen der unteren Kasten konnten von einem Apartment wie seinem nur träumen. Er hatte fließendes sauberes Wasser, einen automatisierten Lebensmittelautomaten und musste seine 60m² nicht mit einer zehnköpfigen Familie teilen.

Gut genug für einen Detective, der die meisten Nächte betrunken, unter Medikamenten oder schlichtweg bewusstlos verbrachte.

Regen trommelte leise gegen das schmale Fenster neben der Küchenzeile. New Haven schien nie wirklich trocken zu werden. Ryan griff nach der Flasche mit Tabletten auf dem Tisch neben dem Bett.

Die kybernetischen Finger seiner linken Hand bewegten sich mit präziser mechanischer Effizienz, während seine rechte Hand vor Entzug leicht zitterte.

Er öffnete den Behälter. Drei Ancodesine-Kapseln lagen noch darin. Orange. Klein. Auf der Straße mehr wert als manch einer in einer Woche verdiente. Er schluckte eine trocken, obwohl er für einen Moment daran dachte, sie mit einem Schluck Bourbon hinunterzuspülen.

Die Erleichterung kam zwanzig Sekunden später wie warmes Rauschen, das durch seinen Blutkreislauf floss. Seine Atmung verlangsamte sich. Der Schmerz schrumpfte von unerträglich auf erträglich. Nicht weg. Nie ganz weg.

Der Ersatzarm ruhte gegen sein Knie, während Start-Diagnosen schwach unter der synthetischen Haut um sein Handgelenk flimmerten.

MILITÄRISCHE KYBERNETIK EIGENTUMSFREIGABE BESTÄTIGT STATUS: AKTIV

Neun Jahre seit Kriegsende. Acht Jahre seit sie ihm das Ding ans Nervensystem geschraubt hatten. Manchmal fühlte es sich immer noch an, als gehörte es jemand anderem. Das Apartment-Terminal blinkte plötzlich auf.

EINGEHENDER ANRUF – NEW HAVEN METROPLEX POLIZEI

Ryan stöhnte.

„Natürlich.“

Er nahm den Anruf an. Detective Mara Levin erschien über dem Tisch als blassblauеs Hologramm. Kurzes dunkles Haar. Markante Züge. Anders als er, in ordentlicher Dienstkleidung.

„Du siehst furchtbar aus“, sagte sie sofort.

„Das sagst du immer.“

„Weil es immer stimmt.“

Ryan stand auf und ging zur Küchenzeile. „Wie spät ist es?“

„Sechs Uhr zwölf.“

„Es gibt doch sicher ein Gesetz gegen so frühe Anrufe.“, sagte er naserümpfend

„Wir haben eine Leiche. Mord.“

„Ok, dagegen gibt es definitiv ein Gesetz…“

Mara ignorierte ihn. „Die Einsatzleitung will dich sofort in Präsidium Vier.“

Hatte sie Präsidium Vier gesagt? Ryan hielt mitten beim Kaffeeinschenken inne.

„Präsidium Vier? Warum ich?“

Mara verschränkte die Arme.

„Die Anfrage kam von oben.“

„Von ganz oben?“

„Ja.“

Ryan starrte sie mehrere Sekunden lang an. Niemand aus der oberen Kaste forderte Detektive der Mittelklasse an, es sei denn, etwas war katastrophal schiefgelaufen. Oder politisch unbequem geworden.

„Wo?“, fragte er leise.

Mara zögerte.

„Corianth’s Dream.“

Die Kaffeemaschine summte leise weiter in der Stille. Ryan blickte durch das regenbedeckte Fenster auf die entfernte Skyline. Selbst von hier aus dominierten die oberen Metroplexe den Horizont.

Massive, erleuchtete Strukturen, die jenseits der Wolken selbst aufstiegen. Unberührbare Städte über der gewöhnlichen Zivilisation. Corianth’s Dream gehörte zu den höchsten von ihnen. Ein Monument des Reichtums und schlichter, reiner Macht.

Und der Ausgrenzung. Ryan atmete schließlich langsam aus.

„Das kann nicht dein Ernst sein.“

„Ich wünschte, es wäre keiner.“

„Die haben interne Sicherheit, die größer ist als unsere gesamte Abteilung. Mit Leuten wie uns geben die sich nie ab.“, sagte er, nüchterne Fakten feststellend, ohne anzuklagen.

„Ich weiß.“

„Warum also wir?“

„Das“, sagte Mara vorsichtig, „wirst du wahrscheinlich herausfinden, wenn du dort bist. Mehr als ich dir gesagt habe, weiß ich nicht.“

Ryan rieb sich müde das Gesicht. Jeder Instinkt sagte ihm, dass das schlecht war. Nicht normal schlecht. Nicht Mord-schlecht. Die Art von schlecht, bei der Menschen still und heimlich verschwanden.

„Bist du bereit aufzubrechen?“ fragte Mara.

„Ja, so ungefähr.“, sagte er.

„Gut.“

Das Gespräch endete. Das Apartment wurde wieder still.

Einen langen Moment lang stand Ryan einfach da und lauschte dem Regen und den entfernten Maschinen, die durch die Metroplex-Wände vibrierten. Dann blickte er noch einmal auf die Skyline.

Hoch über New Haven, jenseits der unteren Wolken, leuchteten die oberen Türme wie künstliche Sterne. Aus der Ferne schön. Aus der Nähe verfault. Ryan griff nach seiner schweren Pistole und seinem Mantel.

Draußen wartete die Stadt.



Ein Kommentar zu „Grid Runners – ein Blick hinter die Kulissen“

  1. […] Heute haben sowohl die englische als auch die deutsche Fassung von Grid Runners Kapitel 18 erreicht. Sie wissen schon, das Buch, an dem ich gerade schreibe. Ich hatte schon mal darüber geschrieben. […]

Kommentar verfassen

Wenn Ihnen gefällt, was Sie hier lesen und Sie mich unterstützen möchten (Wordpress.com kostet ja immerhin ein bisschen was), dann können Sie das gerne via PayPal tun. Über den Button "Paypal Me Spende" unten kommen Sie zu meinem PaypalMe. Alternativ können Sie sich auch über den zweiten Button meine Throne Page anschauen und mir darüber etwas zukommen lassen. Oder Sie lesen mir einfach weiterhin einfach so zu, ohne Spende. Alle 3 Optionen sind völlig legitim und valide :)

Entdecke mehr von ohnefilter.blog

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen