Und zwar egal, für wen.
Ein wachsender Teil der Bevölkerung hat den Eindruck, dass sich die politische Debatte zunehmend um politische Gegner statt um politische Lösungen dreht. Statt klar zu formulieren, welche konkreten Ziele für das Land verfolgt werden und wie die Lebenssituation der Bürger verbessert werden soll, dominiert häufig die Abgrenzung gegenüber anderen Parteien. Besonders die AfD steht dabei im Mittelpunkt politischer Auseinandersetzungen.
Viele Bürger nehmen wahr, dass ein erheblicher Teil der öffentlichen Debatte darauf verwendet wird zu erklären, warum die AfD falsch liegt oder warum sie nicht gewählt werden sollte. Unabhängig davon, wie man zur Partei selbst steht, entsteht dadurch bei manchen Menschen der Eindruck, dass die etablierten Parteien ihre politische Energie stärker auf die Bekämpfung eines Konkurrenten als auf die Lösung der tatsächlichen Probleme im Land konzentrieren. Das wiederum kann nicht der richtige Weg sein. Weder scheint er bisher sonderlich gut zu funktionieren, noch bleibt dabei noch genug Energie dafür übrig, um sich um die Belange und Probleme der Bürger zu kümmern. Politik ist kein Selbstzweck und bei allem Respekt: Sie ist nicht dafür da, dass jeder sein eigenes Schäufelchen mit aller Gewalt durchdrückt und möglichst viel über das der Anderen lästern kann. So etwas kann man im Kindergarten im Sandkasten machen, aber doch bitte nicht in der Bundespolitik!
Gleichzeitig bleiben zahlreiche Herausforderungen bestehen: steigende Lebenshaltungskosten, Wohnraummangel, Sicherheitsfragen, Migration, Bürokratie, Infrastruktur oder die wirtschaftliche Entwicklung. Viele Bürger wünschen sich daher weniger parteipolitische Auseinandersetzungen und mehr konkrete Antworten auf die Fragen ihres Alltags. Um es klar zu sagen: Uns Bürger interessiert überhaupt nicht, was Sie als [Partei] von [Andere Partei] halten. Es könnte uns nichts egaler sein. Uns interessieren Lebensmittelpreise, Mieten, bezahlbarer Strom, dass wir uns nachts auf der Straße und im Park nicht ängstlich alle paar Meter umschauen müssen.
Aus dieser Entwicklung ergibt sich ein politisches Paradox: Je stärker sich politische Akteure auf die Ablehnung der AfD konzentrieren, desto häufiger entsteht bei manchen Wählern der Eindruck, ihre eigenen Sorgen würden nicht ernst genommen. Dadurch fühlen sich Teile der Bevölkerung geradezu in Richtung der AfD gedrängt, obwohl sie diese zuvor möglicherweise gar nicht unterstützen wollten. Viele sehen die AfD auch als letzte Möglichkeit, dem Elfenbeinturm einen klaren, deutlichen Denkzettel zu verpassen und wählen diese nicht aus Überzeugung, nicht aus Angst, nicht aus Verzweiflung, sondern aus purem Trotz. Weil sämtliche anderen Wege der politischen Meinungsäußerung bisher fehlschlugen und vom Elfenbeinturm komplett ignoriert wurden.
Für die AfD ergibt sich daraus eine vergleichsweise komfortable Situation. Ihre politischen Gegner übernehmen einen großen Teil der öffentlichen Aufmerksamkeit und bestätigen durch ihre Fokussierung indirekt die Rolle der Partei als zentrale Oppositionskraft. Kritiker der etablierten Parteien argumentieren deshalb häufig, dass die wirksamste Antwort auf den Erfolg der AfD nicht in immer neuen Abgrenzungsbeschlüssen liegt, sondern in einer Politik, die die Probleme der Bürger sichtbar und glaubwürdig löst. Dies ist auch nicht von der Hand zu weisen: Wenn Sie die Probleme der Bürger lösen und glaubhaft unter Beweis stellen, dass Ihnen diese höchst ureigene Aufgabe als Volksvertreter bewusst ist, erledigt sich das „Problem“ AfD ganz von selbst.
Letztlich erwarten viele Menschen von der Politik vor allem eines: nicht die Erklärung, gegen wen sie sein soll, sondern eine überzeugende Antwort darauf, wofür sie steht. Denn Vertrauen entsteht letztlich nicht durch die Ablehnung politischer Gegner, sondern nur durch nachvollziehbare Ergebnisse für die Bürger.


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