ohnefilter.blog

Gedankenmus, zum Konsum geeignet. Lektüre auf eigenes Risiko. Sie entscheiden selbst.


Du musst!

Es geht mir auf den Sack. Jeder meint heutzutage, Anderen vorschreiben zu müssen, was diese zu tun und zu lassen haben. Es nervt mittlerweile extrem.

Vor Allem als Künstler, egal, wie sehr das im Grunde nur Hobby und nicht dein Brotjob ist, bist du dafür prädestiniert, gesagt zu bekommen, wofür du dich einzusetzen hast und mehr noch: wogegen du öffentlich Stellung zu beziehen hast.

Sicher, wer als Künstler seine Kunst absichtlich politisch, gesellschaftlich, etc. präzise ausrichtet und bei wem bereits Teil der Kunst ist, eine Aussage zu treffen, der muss wohl in der Tat. Schwer vorstellbar, was ein politischer Kabarettist tun sollte, wenn nicht eben Kabarett zu politischen Themen zu machen.

Aber warum in aller Welt muss jeder Fussballer, Musiker, Autor, Fotograf, Modemacher, etc. eine Meinung zu allem und jedem haben und die Welt mit dieser beglücken? Reicht es nicht, seine Kunst zu machen und sich ansonsten rauszuhalten?

Das nimmt ja auch kein Ende. Jeder, der aus irgendeinem Grund egal wie viel „Reichweite“ und „Bekanntheit“ hat, meint, die Welt warte quasi geradezu nur darauf, dass er ihr sagt, was er wovon hält. Interessiert mich die politische Einstellung meines Keksherstellers? Nein. Mach Kekse und halt den Rand. So schwer ist das nicht.

Jetzt könnte man mir vorwerfen, ich mach das ja auch. Und ja, stimmt. Ich sage meine Meinung auch offen. Und ja, ich bin zu faul, mir für Promo und private Nutzung separate Accounts zuzulegen. Ich bin allerdings jetzt auch nicht sonderlich bekannt und als Indie-Artist ist das mein Hobby. Und vor Allem, und da liegt der Hase im Pfeffer: ich belehre nicht. Ich habe meine Meinung und die teilt Ihr entweder oder auch nicht. Aber ich stelle mich eben nicht hin und predige die einzig wahre Wahrheit der Gutenden und fühle mich dann als besserer Mensch.

Liebe Künstler, Kekshersteller, Schauspieler, etc., Ihr seid kein bisschen besser oder toller als wir und nur, weil Ihr mehr Reichweite habt, habt Ihr noch lange keinen göttlichen Auftrag zur Missionierung. Lasst den Scheiß. Macht Euer Ding und lasst mich mit dem Rest doch bitte einfach in Ruhe.



6 Antworten zu „Du musst!“

  1. Ihr Beitrag spricht einen Nerv unserer Zeit an: die zunehmende Erwartung, dass Menschen mit Reichweite zu allem Stellung beziehen sollen. Gerade in sozialen Medien entsteht oft ein moralischer Druck, der wenig Raum für Zwischentöne lässt. Ich kann gut nachvollziehen, dass diese Dauerbelehrung ermüdend wirkt – besonders dann, wenn Meinungen nicht als Einladung zum Dialog, sondern als moralische Pflichtveranstaltung präsentiert werden.

    Gleichzeitig würde ich den Gedanken ergänzen: Öffentlichkeit bringt nicht automatisch einen „göttlichen Auftrag“, aber sie schafft dennoch Wirkung. Künstler, Sportler oder Unternehmer beeinflussen Menschen – ob sie wollen oder nicht. Deshalb ist es nachvollziehbar, dass manche erwarten, dass bekannte Persönlichkeiten Haltung zeigen, insbesondere bei Themen wie Krieg, Menschenrechten oder gesellschaftlicher Ausgrenzung. Schweigen kann ebenfalls als Botschaft verstanden werden.

    Entscheidend ist vielleicht weniger, ob jemand seine Meinung äußert, sondern wie. Zwischen ehrlicher persönlicher Haltung und selbstgerechter Moralisierung besteht ein großer Unterschied. Problematisch wird es dort, wo Andersdenkende pauschal abgewertet werden oder wo komplexe Fragen auf einfache Parolen reduziert werden. Dann entsteht kein Austausch mehr, sondern Lagerdenken.

    Ihr Hinweis auf Kunst selbst finde ich wichtig. Nicht jede Musik, Literatur oder Fotografie muss politisches Manifest sein. Kunst darf provozieren, trösten, unterhalten oder einfach nur schön sein. Eine Gesellschaft verliert etwas, wenn jeder kreative Ausdruck sofort auf politische Verwertbarkeit geprüft wird.

    Andererseits lebt eine offene Gesellschaft auch davon, dass Menschen ihre Stimme freiwillig nutzen dürfen – ebenso freiwillig dürfen andere diese Meinung ignorieren oder kritisieren. Vielleicht wäre bereits viel gewonnen, wenn weniger missioniert und mehr zugehört würde.

    Like

    1. Genau das ist der Punkt :)
      Ich hab‘ gar kein Problem damit, dass Menschen gern ihre Meinung sagen möchten. Wäre auch reichlich krasse Hybris, ich tu‘ das ja selbst ganz gern. Aber die Missionierei könnte man halt mal sein lassen. Meinung als Meinung – alla hopp, gerne, haut raus.

      Aber spart Euch halt bitte das „Ich bin Künstler und deswegen sag ich Euch, tut XYZ!“.

      Like

      1. Ihr Beitrag spricht einen wichtigen Punkt an: Zwischen persönlicher Meinung und moralischem Sendungsbewusstsein besteht tatsächlich ein Unterschied. Gerade im öffentlichen Raum – ob Kunst, Politik oder Medien – wirkt es oft problematisch, wenn Menschen ihre künstlerische oder gesellschaftliche Rolle dazu nutzen, anderen vorzuschreiben, wie sie zu denken oder zu handeln haben. Kritik an dieser Haltung ist legitim.

        Gleichzeitig würde ich vorsichtig damit sein, Künstlerinnen und Künstler pauschal ihre gesellschaftliche Stimme abzusprechen. Kunst war historisch immer auch Ausdruck von Haltung, Widerspruch und Einmischung. Von Boris Grebenschtschikow bis zu Schriftstellern, Malern oder Liedermachern haben viele nicht nur „schöne Kunst“ geschaffen, sondern auch gesellschaftliche Debatten angestoßen. Das Problem beginnt meines Erachtens nicht dort, wo jemand eine Haltung äußert, sondern dort, wo aus Meinung moralische Überlegenheit oder missionarischer Druck wird.

        Vielleicht liegt der entscheidende Unterschied darin, ob jemand zum Nachdenken einlädt – oder beansprucht, im Besitz der einzig richtigen Wahrheit zu sein. In polarisierten Zeiten wäre mehr Demut auf allen Seiten hilfreich: Meinung äußern ja, Diskussion eröffnen ja, aber weniger Belehrung und weniger Absolutheitsanspruch.

        Gerade deshalb finde ich Ihren Einwand diskussionswürdig, auch wenn ich ihn nicht völlig absolut formulieren würde.

        Like

      2. Sie wiederholen sich :)

        Like

      3. Danke für den Hinweis 🙂
        Wiederholungen lassen sich bei komplexen Themen manchmal kaum vermeiden, besonders wenn bestimmte Zusammenhänge immer wieder ausgeblendet oder verkürzt dargestellt werden. Mir ging es weniger darum, mich zu wiederholen, sondern eher darum, einen anderen Blickwinkel und einige Aspekte hervorzuheben, die aus meiner Sicht wichtig bleiben — auch wenn sie unbequem sind.

        Trotzdem ist der Einwand berechtigt: Prägnanz hilft oft mehr als Länge. Ich nehme das gern mit.

        Like

Hinterlasse einen Kommentar