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3–4 Minuten

Wortzähler

678 Wörter

Just vibe-code it!

Seit LLMs richtig gut im Coden geworden sind – zumindest manche davon – höre ich den Satz häufiger. Immer, wenn es lustige Lizenzprobleme oder derlei mit Tools, die man im Einsatz hat, gibt, kommt irgendwann unweigerlich einer mit dem Vorschlag an, es doch einfach selbst zu vibe-coden oder nachzubauen.

Ich habe im Grunde genommen kein wirkliches Problem mit Vibe-Coding als solchem, oder insbesondere dem LLM-enhanced Development.

Der Witz am Vibe-Coding ist ja: klar, wenn Laien das nutzen, kommt häufig Unsinn dabei raus.
Oft nutzen das ja aber Menschen, die den kompletten Code durchaus selbst schreiben könnten, aber sich – was für Devs eigentlich mehr als normal ist – gern stumpfe, repetitive Arbeit ersparen, wo möglich.

Wozu den ganzen Mist selbst schreiben, wenn du der LLM klare Anweisungen in „Coder-Speak“ geben kannst und die macht das dann für dich? Das Ergebnis ist genauso gut oder schlecht, wie es wäre, wenn du all den Code selbst runtergerödelt hättest.

Ich kann den Hate auf Vibe-Coding nur zum Teil nachvollziehen. Ich nutze das auch. Tools/Scripts, die mich früher nen halben Tag gekostet hätten, sind jetzt in vielleicht ner halben Stunde fertig. Total gut.

Vor Allem Anthropics Claude tut sich da aktuell ganz groß als absoluter Held unter den LLMs hervor. Claude kann das richtig gut. Mit ein paar präzisen, klaren Ansagen, was genau du bauen willst, wie die Prozesse ablaufen sollen und was die Struktur der Software so sein soll, baut dir Claude echt akzeptablen Code zusammen und das sehr viel schneller, als du es könntest. Als Tool für Menschen, die wissen, wie man vernünftig mit Tools arbeitet, absolute Spitze.

Das führt leider halt auch zu der Annahme unter weniger erfahrenen Internetznutzern, man könne mit LLMs alles in kürzester Zeit sinnvoll selbst coden. Während das relativ problemlos auf simple Tools und noch simplere Webseiten zutrifft, wird das schon spannender, wenn man z.B. richtig komplexe Software nachbauen oder selbst bauen möchte.

Ich hatte unlängst den Fall, dass sich der Bedarf nach einer Team Chat Lösung ergeben hat, nachdem sich die bisher genutzte immer mehr in eine Ecke entwickelt hat, die so nicht mehr wirklich nutzbar ist, außer, man zahlt ordentlich drauf. Eingeweihte ( = Menschen, die dasselbe Problem haben) werden mit dem Hinweis bereits erahnen können, um welche Team Chat Lösung es geht ;)

Der Markt für selbst-gehostete Team Chat Lösungen mit mehr oder minder großem Funktionsumfang für kleines oder gar kein Geld ist ja extrem überschaubar.

Es machte auch jemand den Vorschlag, man könnte das ja selbst vibe-coden. Mein Lachen schallte quasi bis ins Alpenvorland. Ein Team Chat, der Dinge wie real-time layers mit WebSocket, Channels, umfangreichem Usermanagement und Permission-System, File upload, App Anbindung + App, SSO/LDAP Auth Handling, automatischen Reconnects, vernünftig skalierbarem React-Frontend, Emojis, Markdown-Parser und -Renderer, vernünftigem Role Management, Notifications, full text/elastic search und co. kann, baust du nicht mal selbst in ein paar Stunden. Auch nicht mit Claude.

Ich hab mir den Spaß gemacht und Claude gefragt. Claude meinte darauf nur zwei Dinge:

  1. LOL, Knilch, nutz, was es schon gibt!
  2. Können wir machen, dauert aber ohne mich für nen Solo Dev locker 9-11 Monate und mit mir vermutlich immer noch mindestens die Hälfte davon bis alles „irgendwie tut“.

Man kann nicht einfach alles „einfach vibe-coden“. Nicht sinnvoll. Und schon gar nicht als Laie. Anspruchsvollere Software wie eine solche Team Chat Lösung? Ich wage zu behaupten: selbst mit Claude kriegt das kein Laie vernünftig hin. Es gibt da einfach viel zu viel zu bedenken, meine obige Liste ist ja vermutlich nicht mal näherungsweise vollständig.

Fazit?

Für „Ich brauch ne persönliche Webseite!“ oder lustige schnelle Scripts und Tools mit recht dezidiertem Usecase ist Vibe-Coding durchaus der geile, heiße, neue Scheiß. Das kriegt auch ein Laie hin, Claude (und bis zu einem gewissen Effizienzgrad auch andere wie z.B. ChatGPT oder Grok) kompensiert das schon.

Für alles, was etwas anspruchsvoller ist, würde ich auch weiterhin empfehlen, da Fachleute ranzulassen. Entweder Devs, die aus „Gnihihihi….Vibe-Coding!“ ein tatsächlich sinnvolles LLM-enhanced Development machen können oder man kauft sich halt bestehende Lösungen und beißt in den sauren Apfel, dass jeder, der etwas produziert und dafür Lebens- und Arbeitszeit geopfert hat, das auch gern bezahlt bekommen möchte :)



4 Kommentare zu „Just vibe-code it!“

  1. […] heißt Open Source mit Pech auch einfach eine Dependency nach der anderen. Bestes Beispiel: lustiges Vibe Coding/LLM Enhanced Development mit React, Tailwind, npm install und […]

  2. Also wenn die Leute jetzt alles vibe coden dann verdummen die doch weil niemand mehr lernt wie es richtig geht. Gerade bei Schülern, die lernen doch nicht mehr machen Hausaufgaben mit dem Chatbot. Also der Chatbot macht die Hausaufgaben.

    Da finde ich den Plan der EU gut und von Friedrich Merz hat das ja auch gesagt. Also das man da die Angebote mit Passpflicht macht das das nicht geht für unter 18 Jährige richtig und wichtig. Genau wie Verbot von SocialMedia und Foren für U18. Also damit die wieder richtig lernen und damit sich echte Digitalkompetenz erarbeiten. Verbot von Killerspielen und Porno ist ja auch mal überfällig um unsere Jugend vor diesem Verfall zu schützen. Das ist wichtig weil es ist ja auch eine Frage der Arbeitsmoral. Die Regierung Merz ist da leider noch viel zu zurückhaltend.

    Beste Grüße,

    Von einem Konservativen Menschen

    1. Das ändert ja alles nichts daran, dass ein Werkzeug ein Werkzeug ist. Jedes Werkzeug kann missbraucht oder falsch verwendet werden. KI macht da keine Ausnahme.

      AI ist ein Tool, wie viele andere auch.

      Das Problem ist, dass Menschen faule, gierige, entitled Trottel geworden sind. Du musst ALLES bekommen können, möglichst wenig dafür tun müssen und am Besten selbst so gut wie keinen Aufwand damit haben. Aber am Ende trotzdem so tun können, als hättest du den coolsten Scheiß nach geschnitten Brot erschaffen.

      Das kann natürlich nix werden.

      Und ich? Ich sitz hier und supporte Kollegen dabei, wie man mit der Hilfe der AI an konkreten Punkten im Prozess ordentlich Zeit und Aufwand sparen kann, indem man gezielte, konkrete Prompts für unsere Zwecke erstellt und wie man das Tool AI vernünftig nutzt.

      Und doch, das geht. Es kommt nämlich absolut kein Mehrwert dabei heraus, wenn du selbst 5 Stunden an etwas sitzt, was die in 5 Minuten macht, nur, damit du dich toll fühlen und sagen kannst „Das hab ich selbst geschrieben!“.

      LLM Enhanced Development z.B. kann ungemein hilfreich sein. Sicher könnte ich dieses Vergleichsscript (nimm folgende Daten aus datei.csv und vergleiche sie mit folgenden vorgegebenen Parametern, um am Ende zu evaluieren, ob der Nutzer jetzt xyz gemacht hat…) jetzt selbst schreiben. Sitz ich halt nen Tag dran, den ich anderweitig hätte verwenden können. Oder ich schreibe Claude ein „dev speak“ Prompt, in dem ich ihm ganz klare Vorgaben zum Projekt mache und sage, bereits in dev speak, was ich brauche und wies werden soll. Und dann schreibt der das. In 10 Minuten. Wird weder sonderlich besser oder schlechter, als wenn ichs selbst mache, nur halt schneller.

      Die Firma (und ich selbst übrigens halt auch) hat keinen Mehrwert davon, wenn ich das Rad ständig neu erfinde, nur, damit ich sagen kann „Schaut her, ich habe ein Rad geschnitzt! Selbst! Eigenhändig!“. Davon wird das Rad nicht runder oder toller. Wovon die Firma einen Mehrwert hat? Wenn ich mir solche lästigen, aber eben notwendigen Arbeiten weitestgehend vereinfache und damit Zeit spare.

      Heißt halt nicht, dass man die AI blind alles machen lässt. Im o.g. Fall macht die AI halt das, was ich ihr auftrage, ich prüfe und verfeinere. Kostet mich dann statt nem Manntag vielleicht ne halbe Stunde. Total gut.

      Auf den Unfug bzgl. der „Killerspiele“ und co. gehe ich jetzt an der Stelle mal nicht ein, die Diskussion hatte schon einen Bart, als ich vor 10 Jahren das letzte Mal drauf eingegangen bin.

  3. […] Just vibe-code it! ging es ums Programmieren. Darum, dass LLM-enhanced Development in den Händen von Leuten, die […]

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