Was ist eine Mutter?
Unter einer Mutter versteht man im biologischen Sinne in aller Regel die Frau, die bei einer Empfängnis die Eizelle beigetragen hat, aus der der Embryo hervorgegangen ist. Das ist per se erstmal relativ klar und präzise definiert.
Rechtlich betrachtet gilt für Deutschland gemäß §1591 BGB: „Mutter eines Kindes ist die Frau, die es geboren hat.“.
Auch eine psychologische/soziale Betrachtungsweise gibt es: wenn die leibliche Mutter nicht Teil des Bildes ist, durch Tod oder Adoptionsfreigabe etc., so übernimmt die Rolle der Mutter mit Glück eine andere Frau.
Soweit die klar umrissenen und an sich simplen Definitionen. Im Laufe der Jahrzehnte, insbesondere in letzter Zeit, hat der Mensch sich noch weitere Definitionen hinzuerfühlt und hinzuerfunden. Sich Dinge zurechtgelegt, damit sie ins ideologische, verblendete Narrativ passen.
Wie ich auf das Thema komme? Ich habe einen Artikel bei Watson gelesen, ein Interview, bei dem eine „Mutter“ ihr eigenes Kind adoptieren musste und das als ungerecht und demütigend empfand.
Schon am Anfang falsch
Der faktische Unsinn geht bereits mit dem Eingangsclaim los, die Frau habe ihr eigenes Kind adoptieren müssen. Nur, weil sie eine Frau ist, ist sie noch lange nicht die Mutter und das Kind nicht ihr eigenes Kind. Sie hat das Kind nicht ausgetragen. Sie ist lediglich mit der Frau liiert, die das getan hat. Das macht sie nicht automatich zur Mutter, sondern zur lediglich zur Lebenspartnerin der Mutter.
Direkt nachfolgend im ersten Absatz wird weiter unsauber gearbeitet. So heißt es dort:
Denn wenn heterosexuelle Paare mithilfe eines Samenspenders ein Kind bekommen, muss der Mann sein Kind nicht adoptieren. Er ist von Anfang an als Elternteil rechtlich anerkannt.
Das ist so nicht korrekt, denn das gilt in der Form und Eindeutigkeit lediglich für verheiratete Paare. Außerhalb der Ehe gilt per Gesetz zunächstmal, dass der Vater derjenige ist, der die Vaterschaft anerkannt hat oder bei dem sie gerichtlich festgestellt wurde. Eine automatische Feststellung der Vaterschaft findet nur innerhalb einer Ehe statt und auch die ist prinzipiell erstmal anfechtbar.
Weiter geht es dann im Interview mit der Beschwerde, wie schrecklich ungerecht, demütigend und unfair es ist, dass das Jugendamt kommt und prüft, ob sie denn zur Mutter geeignet ist.
Für mich war es einfach absurd, weil meine Frau acht Wochen nach der Geburt wieder studieren gegangen ist und unter der Woche hunderte Kilometer entfernt war. Das heißt, ich war die Hauptbezugsperson unserer Tochter. Ich bin Nacht für Nacht aufgestanden, habe Krankheiten mit durchlebt, habe das Kind 10 Stunden an mir hängen gehabt, selbst wenn sie durchgängig brüllte, und habe das immer mit vollster Liebe und Herzblut getan. Und dann kommt jemand und sagt „Ich muss jetzt aber erst mal gucken, ob da eine Bindung besteht“. Das war einfach kein schönes Gefühl. Das war demütigend.
Das mag für sie persönlich ja demütigend erscheinen, ergibt aber schlicht Sinn. Das Kindeswohl steht an erster Stelle. Das hat erstmal auch überhaupt nichts mit der Tatsache zu tun, dass sie und ihre Partnerin homosexuell sind. Das findet bei heterosexuellen Partnern, die ein Kind adoptieren wollen, ja genauso statt. Eine Adoption passiert ja nie einfach so; der Adoptierwillige wird immer auf Eignung geprüft.
In Deutschland gilt bei Adoptionen grundsätzlich das Kindeswohl als Maßstab. Die Gerichte und Jugendämter prüfen dabei unter anderem:
- Stabilität der Beziehung
- persönliche Eignung
- finanzielle und soziale Verhältnisse
- Erziehungsfähigkeit
- Bindung zum Kind
- familiäres Umfeld
- langfristige Perspektive für das Kind
Zu keinem Zeitpunkt spielt hierbei die sexuelle Ausrichtung der Adoptiveltern in spe eine Rolle.
Aber warum Stiefkindadoption?
Der Kritikpunkt, der oft genannt wird, ist, dass es sich um eine Stiefkindadoption handelt, während man das Kind ja doch als sein eigenes betrachtet. Man sei ja schließlich die Partnerin der Mutter. So sagt die Partnerin der Mutter im Interview weiter:
Die Stiefkindadoption macht sicherlich Sinn, wenn ein Kind vier, fünf Jahre alt ist und ein neuer Partner oder eine neue Partnerin dazukommt und adoptieren will. Da muss man natürlich gucken, ob sich eine Bindung zu dem Stiefkind entwickelt hat. Aber meine Tochter ist nicht mein Stiefkind.
Nun, hierfür müssen wir nochmal ganz an den Anfang des Beitrags zurückkehren.
Unter einer Mutter versteht man im biologischen Sinne in aller Regel die Frau, die bei einer Empfängnis die Eizelle beigetragen hat, aus der der Embryo hervorgegangen ist. Das ist per se erstmal relativ klar und präzise definiert.
Rechtlich betrachtet gilt für Deutschland gemäß §1591 BGB: „Mutter eines Kindes ist die Frau, die es geboren hat.“.
Nur, weil sie eine Frau ist, ist sie nicht per se eine Mutter. Und Mutter, das ist in Deutschland relativ klar geregelt und definiert. Es ist ja schön und löblich, dass sie das Kind als ihr Kind ansieht. Dass sie das fühlt und lebt. Damit ist sie sicher schon mehrere Schritte weiter und besser als viele Väter, die sich um ihre Verantwortung als Vater zu drücken versuchen, das will ich ja gar nicht in Abrede stellen.
Dennoch, es ist nicht ihr Kind. Sie war in allen Punkten, die hier zählen, nicht an der Entstehung des Kindes beteiligt. In allen Gesichtspunkten, die hier relevant sind, ist sie rechtlich betrachtet eine Fremde.
Man kann sich nun darüber streiten, ob es fair, gerecht oder gar sinnvoll ist, homosexuelle Ehen in der hinsicht anders zu handhaben als heterosexuelle. Denn ja, logisch betrachtet ergibt das erstmal wenig Sinn: ist die Ehe heterosexuell, also eine herkömmliche, traditionelle Ehe zwischen Mann und Frau, gilt der Mann automatisch als Vater. Als rechtlich legitimes Elternteil. Und ja, ich persönlich finde durchaus, dass man der sexuellen Ausrichtung der Ehepartner wegen da keinen Unterschied machen müsste oder sollte. Wenn man das Ehe nennt, dann sollte es auch dasselbe sein und meinen. Wenn, dann ganz. Und eigentlich müssten wir das bestehende Prozedere auch anpassen: keine Vaterschaft ohne Test. Sinnvoll und nützlich wäre es, wenn man einfach klare Verhältnisse schafft. Statt automatisch der Vater zu sein, wenn man mit der Mutter verheiratet ist, Feststellung der Vaterschaft durch Test. Folgerichtig und sinnvoll wäre das.
Nochmal, wir reden hier schlicht von recht klar und präzise umrissenen Begriffen. Sie ist de facto nicht des Kindes Mutter, das ist ihre Partnerin. Und ein Kind kann keine zwei Mütter oder Väter haben. Ob man es für sinnvoll erachtet, die Begriffe zu verwässern und neu zu besetzen, ist mehrheitlich eine Glaubensfrage und hat mit der Realität wenig zu tun. Am Ende zählt das Kindeswohl. Dass die Frau diesem nicht ab-, sondern zuträglich ist und damit als zweiter Elternteil voll in Ordnung geht, wurde ja auch gerichtlich festgestellt, siehe Artikel. Der Rest ist ideologischer Unsinn, Stimmungsmache und viel Lärm um letztlich Nichts.
Sie mag das Prozedere ja als demütigend und ungerecht wahrgenommen haben, aber neutral betrachtet, lief hier erstmal einfach alles genau nach Plan. Eine Frau, die nicht die Mutter ist, es weder biologisch noch rechtlich sein kann, wollte ein Kind adoptieren. Wollte gern legitimes Elternteil sein. Also musste sie den hierfür vorgesehenen Prozess durchlaufen.
Nichts daran war falsch. Nichts daran war demütigend. Nichts daran war ungerecht. Und im Hinblick auf das Kindeswohl ist es durchaus gut, dass es diesen Prozess gibt.


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