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Gedankenmus, zum Konsum geeignet. Lektüre auf eigenes Risiko. Sie entscheiden selbst.


Egal war gut

Meiner Generation wurde beigebracht, dass schwarze Haut dasselbe ist wie weiße Haut. Dass es egal ist.

Dass es Männer gibt, die halt Männer lieben und Frauen, die Frauen lieben. Und Männer und Frauen, die beides lieben. Und dass das ok ist. Dass es egal ist.

Dass es völlig in Ordnung ist, wenn unser Gegenüber aus Italien, Spanien, Vietnam, der Türkei oder sonstwo her kommt. Dass nur wichtig ist, dass wir respektvoll und halt normal miteinander umgehen. Uns an die Regeln halten. Dass egal ist, wo einer herkommt, benehmen muss man sich halt.

Das waren schöne Zeiten, als solche Dinge noch egal waren. Heute sind sie besonders. Müssen herausgestellt werden. Jede Nuance muss ihr eigenes kleines „Hurra, wir sind speziell, beachtet uns, Ihr Knechte!“ haben. Egal reicht nicht mehr. Alles muss besonders sein. Und wehe dem, der die Besonderheit nicht erkennt oder nicht richtig zuordnet, weil er verwirrt ist von drölftausend Besonderheiten, die gefühlt täglich neu hinzukommen und einfach den Überblick verloren hat.

Egal reicht nicht mehr. Und genau deswegen schwingt das Pendel jetzt um. Weil wir, die Generation, die egal auf max geskillt hatte und fein war mit jedem, der sich einfach vernünftig benommen hat und völlig ignoriert hat, woher du kamst und wer du warst oder wen du liebtest, die Schnauze gestrichen voll hat.

Egal war gut. Denn bei egal zählte der Mensch und nicht seine Sexualität, Herkunft, Hautfarbe, Religion oder Lieblingsspeise.

Egal war gut. Lasst uns zu egal zurückkehren.



3 Kommentare zu „Egal war gut“

  1. Ich bin ganz bei Dir. Dieses „egal“, aber respektvoll war so viel besser als vieles jetzt.
    Und ich habe es selbst erlebt.
    Ich musste mich nie „outen“- ich habe einfach irgendwann meine Freundin vorgestellt und alle waren „fein“ damit. Die Reaktionen waren alle gleich: „Hauptsache du bist glücklich.“
    Es war nie besonders, sondern einfach meine Art zu lieben.

    Aber das betrifft sicherlich nicht nur die Sexualität, sondern auch die Religion, Herkunft usw. ich finde es erschreckend, dass plötzlich alles als „besonders“ gilt, obwohl ich persönlich meist nur Menschen sehe.

    1. Exakt so nämlich! Und so habe ich das auch erlebt. Und das war gut. Egal war gut. Besonders wollte damals keiner. Und das war besser.

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