Hyperkorrektur ist schädlich. Insbesondere, wenn es gar nicht erst etwas zu korrigieren gab.
Wir sind an einem Punkt, an dem gesellschaftliche Debatten über Identität, Sprache und Gruppenzugehörigkeit einen immer größeren Raum einnehmen, während andere Themen wie Sicherheit, Lebenshaltungskosten oder wirtschaftliche Herausforderungen in den Hintergrund geraten. Themen wie Gendern, Quotenregelungen, das Selbstbestimmungsgesetz oder die fortlaufende Ausweitung von Identitätskategorien werden von Teilen der Bevölkerung zunehmend kritisch betrachtet.
Dabei richtet sich die Kritik häufig nicht gegen die grundsätzliche Gleichberechtigung von Menschen. Die meisten Bürger akzeptieren völlig, dass Frauen, homosexuelle Menschen, Menschen mit Behinderungen oder andere Gruppen dieselben Rechte und Chancen verdienen wie alle anderen. Das steht bei der Mehrheit überhaupt nicht in Abrede. Wir hatten tatsächlich auch einen Punkt erreicht, für den die initiale LGB Bewegung lange und hart gekämpft hatte: Schwule und Lesben wurden als völlig normal wahrgenommen und den meisten Menschen war es schlicht egal, wer was mit wem im Bett oder wo auch immer wie anstellt. Kritiker argumentieren jedoch, dass die ursprüngliche Forderung nach Gleichberechtigung zunehmend durch Forderungen nach besonderen Regelungen, Sondermaßnahmen oder gruppenspezifischen Privilegien ersetzt werde. Und haben damit leider völlig Recht, genau das geschieht.
Besonders kontrovers werden von Vielen Quotenregelungen diskutiert. Gegner solcher Maßnahmen vertreten die Ansicht, dass Stellen, Ämter oder Positionen ausschließlich nach Qualifikation, Leistung und Eignung vergeben werden sollten. Sie befürchten, dass starre Quoten den Eindruck entstehen lassen können, Bewerber seien nicht aufgrund ihrer Fähigkeiten, sondern aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe ausgewählt worden. Dies könne sowohl die Akzeptanz als auch das Vertrauen in faire Auswahlverfahren beeinträchtigen. Das lässt sich nicht von der Hand weisen und jeder Normalbürger wird das in der einen oder anderen Form im Arbeitsleben bereits bemerkt haben. Dabei könnte es so einfach sein. Nicht das Geschlecht oder sonstige, für den Beruf, die Position oder das Amt ohnehin völlig irrelevante Merkmale sollten den Ausschlag geben, sondern einzig und allein die Befähigung.
Auch die Debatte um geschlechtergerechte Sprache stößt bei vielen Menschen auf Ablehnung. Sie stellt mitnichten eine Verbesserung der Gleichberechtigung dar, sondern eine künstliche Veränderung der Sprache, die von großen Teilen der Bevölkerung weder gewünscht noch im Alltag verwendet wird.
Beim Selbstbestimmungsgesetz wiederum sehen wir uns mit einer von Kritikern schon im Vorfeld befürchteten Situation konfrontiert, dass die Interessen verschiedener Gruppen nicht immer ausreichend gegeneinander abgewogen werden. Insbesondere Fragen rund um Sportwettbewerbe, Schutzräume oder amtliche Verfahren werden kontrovers diskutiert. Befürworter sehen darin einen Fortschritt für die Rechte Betroffener, während Gegner vor möglichen Fehlentwicklungen, Missbrauchsmöglichkeiten oder neuen Konflikten warnen. Viele Bürger bringen es gar auf einen noch viel simpleren, deutlicheren Punkt: Männer – also die mit dem Penis – haben in Frauenschutzräumen und im Frauensport einfach nichts zu suchen. Die Gesetzgebung und vom Staatsfunk ausgegebene Parole indes lautet, dass jeder sein kann, was er möchte und wer biologische Fakten über gefühlte Einbildung stellt, der liegt falsch. Dass das keinen Konsens in breiter Masse erzielen kann, hätte jedem Beteiligten von vornherein klar sein müssen. Was genau man sich von einer derart sturen Versteifung auf das Zugehen auf eine absolute Minderheit verspricht, ist nicht klar. Die Mehrheit möchte sich dieser aber auch nicht unterordnen. Ein Faktum, dass der Elfenbeinturm bislang völlig verkennt.
Selbst innerhalb der LGBTQ-Community gibt es unterschiedliche Positionen zu diesen Entwicklungen. Während einige die Ausweitung von Rechten und Sichtbarkeit begrüßen, äußern andere die Sorge, dass immer neue Identitätsdebatten die gesellschaftliche Akzeptanz eher erschweren als fördern könnten.
Aus Sicht vieler Bürger sollte der Fokus wieder stärker auf einem einfachen Grundsatz liegen: gleiche Rechte, gleiche Pflichten und gleiche Chancen für alle Bürger – unabhängig von Geschlecht, Herkunft, sexueller Orientierung oder anderen persönlichen Merkmalen. Sie wünschen sich eine Gesellschaft, in der individuelle Leistung, Verantwortung und Befähigung stärker zählen als die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe.


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